Pflegemodell

Unsere Einrichtung arbeitet nach dem Pflegemodell von M. Krohwinkel. Dieses Modell beinhaltet neben dem bekannten AEDL-Strukturmodell ein Managementmodell, ein Pflegeprozessmodell und ein Pflegerahmenmodell.


Das AEDL Strukturmodell

    Dieses Modell beinhaltet 13 Aktivitäten, die ein Mensch im Laufe seines Lebens mehr oder minder bewusst praktiziert.

      1.   Kommunizieren
      2.   Sich bewegen
      3.   Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten
      4.   Sich pflegen
      5.   Essen und Trinken
      6.   Ausscheiden
      7.   Sich kleiden
      8.   Ruhen und Schlafen
      9.   Sich beschäftigen
    10.   Sich als Mann / Frau fühlen
    11.   Für eine sichere Umgebung sorgen
    12.   Soziale Bereiche des Lebens sichern
    13.   Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

    Mit Hilfe dieser Einteilung können wir systematisch alle Lebensbereiche unserer Kunden erfassen. Innerhalb des Pflegeprozesses werden diese Aktivitäten und Erfahrungen des Lebens abgefragt und eventuell auftretende Mängel so deutlich. Daraus leiten sich wiederum Ziele und Maßnahmen unseres Handelns ab.


    Auch in der "Mitarbeiterpflege" kommt dieses Modell zum Einsatz.


    Wir setzen dieses Modell in unserer Praxis um, weil es unserer Meinung nach das umfassendste und geeignetste theoretische Gebilde für unsere Arbeit darstellt. Vergleicht man es z.B. mit dem ATL-Modell, so haben wir festgestellt, dass wichtige Punkte, die insbesondere das soziale Umfeld betreffen, fehlen (z.B. Soziale Bereiche des Lebens sichern). Gerade aber in der ambulanten pflegerischen Versorgung ist dieser Punkt jedoch unerlässlich.


    Beispielhafte Aufzählung der Bedeutung dieser Punkte für unsere Arbeit:


    1. Kommunizieren

    • Wir sorgen dafür, dass unsere Kunden an der Kommunikation so gut wie möglich teilnehmen können, z.B. durch den Einsatz notwendiger Hilfsmittel.
    • Wir respektieren die Kommunikationswünsche unserer Kunden und passen uns ihren individuellen Kommunikationsformen an. 
    • Wir legen hohen Wert auf eine wertschätzende Kommunikation mit allen Umsystemen.
    • Unsere innerbetrieblichen Kommunikationsstrukturen sind für alle Umsysteme transparent und nutzbar. Formalien für Dienstübergaben und Dienstbesprechungen sind eindeutig geregelt.


    2. Sich bewegen

    • Wir sorgen dafür, dass unsere Kunden alle notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung haben, die sie zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung ihrer Mobilität benötigen.
    • Wir motivieren und aktivieren unsere Kunden dazu, sich gesundheitsfördernd zu bewegen.
    • Wir setzen geplante und standardisierte Prophylaxen ein, um die Beweglichkeit des zu Versorgenden zu erhalten.
    • Freiheitsentziehende Maßnahmen sollten nur nach richterlicher Anordnung umgesetzt werden.
    • Wir achten auf körperliche Einschränkungen unserer Mitarbeiter (z.B. Rückenprobleme).


    3. Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten

    • Wir sorgen für die regelrechte medikamentöse Versorgung unserer Kunden und arbeiten eng mit Ärzten zusammen.
    • Wir kontrollieren die Vitalwerte und sonstige Merkmale der Körperfunktionen (z.B. Ausscheidung) und reagieren bei Bedarf adäquat.
    • Wir arbeiten aufklärend über gesundheitsgefährdende Faktoren und kontrollieren gezielt Risikofaktoren, z.B. Übergewicht, hoher Blutdruck.


    4. Sich pflegen

    • Wir unterstützen unsere Kunden bei der individuellen und bedarfsgerechten Körperhygiene. Wir geben angemessene Hilfestellung und Aktivieren die Eigenleistung unserer Kunden.
    • Wir erfragen Besonderheiten und Wünsche unserer Kunden hinsichtlich ihrer hygienischen Bedürfnisse.
    • Wir achten auf das äußere Erscheinungsbild unserer Mitarbeiter und beziehen eventuell bestehende Allergien ein.
    • Wir weisen unsere Mitarbeiter auf die hygienisch begründeten Restriktionen hin (z.B. Schmuck, Haare). Wir erlauben unseren Mitarbeitern das Tragen von eigener Dienstkleidung.


    5. Essen und Trinken

    • Wir berücksichtigen die Essenswünsche und Gewohnheiten unserer Kunden.
    • Wir sorgen für den bedarfsgerechten Einsatz von Hilfsmitteln.
    • Wir stellen die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und Getränke sicher. Wir beziehen Grunderkrankungen in die Ernährungsplanung ein, z.B. Diabetes, Adipositas.
    • Wir ermitteln bei unseren Kunden den Ernährungsstatus. Bei Vorliegen einer Mangelernährung bieten wir professionelle Beratung und Unterstützung an.


    6. Ausscheiden

    • Wir stellen unseren Kunden die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung und informieren sie über den Umgang mit selbigen.
    • Wir wählen eine bedarfsgerechte Inkontinenzversorgung zusammen mit unseren Kunden / Angehörigen aus.
    • Wir legen hohen Wert auf die hygienischen Verhältnisse im Zusammenhang mit Ausscheidungen und unterweisen den Kunden / Angehörigen im Umgang mit diesen.
    • Wir beraten und unterstützen bei Maßnahmen zur Kontinenzförderung.


    7. Sich kleiden

    • Wir geben die notwendige Hilfestellung beim An- und Auskleiden unserer Kunden.
    • Wir unterstützen unsere Kunden bei der Auswahl geeigneter Kleidung.
    • Wir informieren unsere Kunden / Angehörige über eventuell bestehenden Bedarf an neuer, angemessener Kleidung.
    • Unsere Mitarbeiter können eigene Berufskleidung tragen.
    • Wir informieren unserer Mitarbeiter über die Postulate der Unfallverhütungsvorschriften bezüglich ihres Schuhwerkes und ihrer Kleidung.


    8. Ruhen und Schlafen

    • Wir nehmen Rücksicht auf die individuellen Schlafgewohnheiten unserer Kunden.
    • Wir schaffen geeignete Rahmenbedingungen, um für erholsamen Schlaf zu sorgen (z.B. Licht, Betteinstellung, Telefon, Getränke, Temperatur, Raum,...).
    • Wir sorgen ggf. für Hilfsmittel, die den Schlaf des Kunden fördern, z.B. zusätzliche Kissen, Schlafmedikamente.
    • Wir sorgen für ausreichende Ruhepausen für unsere Mitarbeiter. Wir nehmen Rücksicht bei der Dienstplangestaltung auf die Wünsche der Mitarbeiter. Wir versuchen angemessene Dienstzeiten zu implementieren.


    9. Sich beschäftigen

    • Wir beziehen die Gewohnheiten und den Alltag unserer Kunden in unsere Arbeit mit ein.
    • Wir machen Vorschläge für geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten unserer Kunden.
    • Wir planen für unsere Mitarbeiter genügend Freizeit ein. Wir berücksichtigen die familiäre Situation unserer Mitarbeiter in der Dienstzeitengestaltung und versuchen, unregelmäßigen Dienst zu vermeiden.


    10. Sich als Mann / Frau fühlen und verhalten

    • Wir berücksichtigen die geschlechtsspezifischen Besonderheiten bei der Kommunikation, bei der Körperpflege und Betreuung, bei der Kleidung und bei der Freizeitgestaltung der Kunden.
    • Wir akzeptieren das Schamgefühl unserer Kunden und nehmen darauf Rücksicht.
    • Wir schützen unsere Mitarbeiter vor sexuellen Übergriffen und Anzüglichkeiten. Wir achten bei unseren Mitarbeitern auf angemessene Kleidung.


    11. Für eine sichere Umgebung sorgen

    • Wir arbeiten entsprechend unserer Hygienerichtlinien.
    • Wir halten notwendige Hilfsmittel für unsere Kunden bereit.
    • Wir gehen fachgerecht mit Medikamenten unserer Kunden um und achten auf eine angemessene Aufbewahrung.
    • Wir stellen durch Kooperationen mit Ärzten, Sanitätshäusern, Hausnotrufsystemen und sonstigen Diensten alle Bedürfnisse des Kunden sicher.
    • Wir sorgen für finanzielle Sicherheit durch Kostentransparenz.
    • Wir sorgen für betriebsärztliche Untersuchungen unserer Mitarbeiter. Wir bilden unsere Mitarbeiter in Sachen Prophylaxen, Rechtsfragen und Arbeitsschutz weiter.


    12. Soziale Bereiche des Lebens sichern

    • Wir ermöglichen unseren Kunden ein Leben in ihrer gewohnten, häuslichen Atmosphäre.
    • Wir organisieren bei Bedarf weitere Ansprechpartner, z.B. Seelsorge, Besuchsdienste.
    • Wir ermöglichen unseren Mitarbeitern durch eine adäquate Dienstplangestaltung private Kontakte aufrechtzuerhalten und nehmen bei der Arbeitszeiten- und Dienstplangestaltung Rücksicht auf die familiäre Situation unserer Mitarbeiter. Wir beziehen unsere Mitarbeiter in die Urlaubsplanung ein.


    13. Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen

    • Wir berücksichtigen die Verluste von Beziehungen von Kunden in unserer Arbeit.
    • Wir vermitteln positive existentielle Erfahrungen des Lebens durch eine positive Lebenseinstellung unserer Mitarbeiter.
    • Wir behandeln unsere Kunden auch in der Endphase ihres Lebens mit Respekt und Achtung. Wir vermitteln ggf. Hilfe in Form von Seelsorgern, Pfarrern, psychologischen Diensten.
    • Wir geben unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, existentielle Erfahrungen innerhalb des Teams zu verarbeiten. Wir nehmen Rücksicht auf existentielle Erfahrungen unserer Mitarbeiter.
    • Es ist unser Anliegen Schmerzsituationen zu lindern und zu stabilisieren. Unser Schmerzassessment richtet sich nach den aktuellen nationalen Expertenstandards.


    Aus diesen Bedeutungen heraus wird ersichtlich, dass unsere Einrichtung versucht, den Kunden möglichst ganzheitlich zu sehen. Mit Hilfe der AEDLs wird anschließend ein Pflegeprozess eingeleitet, der in einer Pflegeplanung sowie allen Risikoerfassungen mündet und somit eine vollständige Versorgung unserer Kunden gewährleistet. Alle Ressourcen des Kunden, sowie seiner Angehörigen, werden dabei einbezogen.

     


    Das Managementmodell nach Krohwinkel

    Dieses Managementmodell umfasst alle Leistungs-, Lenkungs- und Planungsaufgaben des Pflegebereiches im Rahmen des ganzheitlich fördernden Pflegeprozesses.


    Es besteht aus fünf Teilaufgabenbereiche, die um den Kunden herum ablaufen:


    1. Direkte Pflege

    Hier wird die direkte Arbeit am Kunden erfasst (Pflege nach den AEDLs). Sie beinhaltet neben dem Arbeiten nach pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen auch die Durchführung der Pflege aufgrund der Kompetenz der Mitarbeiter. Die Pflegenden leiten einen Pflegeprozess ein und sind für dessen Erhaltung zuständig. Die Durchführung der Pflege wird dadurch unterstützt und kontrolliert.


    2. Pflegeorganisation

    Dieser Punkt beinhaltet die Anschaffung von Organisationshilfen, die Organisation von Hilfsmitteln und die Pflegeplanung als schriftlich fixiertes Instrument zur Durchsetzung der Pflege. Ebenso werden hier die Rahmenbedingungen wie z.B. Dienstzeiten, gesetzliche Vorgaben und Personalausstattung betrachtet. Besonderen Wert legt Krohwinkel auf das Einbeziehen von Gestaltungswünschen und Möglichkeiten der Mitarbeiter in die aktuelle Planung.


    3. Pflegedokumentation

    Die Auswahl eines geeigneten, einheitlichen Dokumentationssystems innerhalb des Pflegeteams und die Unterstützung der Mitarbeiter bei dem Umgang mit selbigen ist hier verankert.


    4. Mitarbeit

    Dieser Punkt zielt auf die Art und den Umfang der ärztlichen Diagnostik und Therapie ab. Der Pflegedienst entscheidet z.B. unter anderen auch mit, wann ein Arzt hinzugezogen werden sollte. Ferner realisiert er ärztliche Anordnungen und sichert somit die medizinische Versorgung des Kunden.


    5. Kooperation und Koordination

    Beinhaltet die Unterstützung einer zielorientierten Teamarbeit, z.B. durch regelmäßige Teambesprechungen, Kommunikationskonzepte, Organigramme. Durch Kooperation werden einzelne Teilbereiche vernetzt und Aufgaben-, Verantwortungs- und Kompetenzbereiche abgegrenzt.

     


    Das Pflegerahmenmodell nach Krohwinkel

    In diesem Modell wird die primäre Zielsetzung des Pflegedienstes definiert.

    Im Rahmen ihrer pflegerischen Tätigkeit wenden sich die Mitarbeiter der Einrichtung dem Kunden mit einem fachlichen Interesse zu. Primäre pflegerische Zielsetzungen sind das Erhalten, Fördern bzw. Wiedererlangen von Unabhängigkeit und Wohlbefinden des Kunden. Hierbei wird ausgehend vom Kunden und seiner Umgebung, seinen Lebensverhältnissen, seiner gesundheitlichen Situation und seinen Fähigkeiten eine Planung der Pflege erstellt.


    Bei erkennbaren Defiziten stehen der Pflege grundlegend fünf übergreifende Methoden zur Verfügung:


    1. Für den Kunden handeln

    2. Ihn führen und leiten

    3. Für eine positive Umgebung sorgen, die einer positiven Entwicklung förderlich ist

    4. Ihn unterstützen

    5. Den Kunden und / oder seine Bezugsperson anleiten, beraten, unterrichten und fördern.


    (nach M. Krohwinkel, 1993)

     

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    Ambulante häusliche Krankenpflege • Günter Kießling • Hofer Str. 15 • 95182 Döhlau • Tel.: 0 92 86 - 97 30 40